02/03/2014No Comments

Ein Herbst und ein Winter

IMG_20140302_173136 Schon wieder sitze ich in der Gefühlsachterbahn. Als wäre es erst gestern gewesen, hoch und runter und hin- und hergerissen durch enge Kurven und Loopings geschleudert zu werden zwischen Heimwollen, Hierbleiben und Weiterreisen. Kaum zu glauben, dass zwischen den letzten Gefühlen dieser Art ein Herbst und ein Winter liegen. Zeit also, zurückzublicken, zu resümieren, zusammen zu fassen, was in den letzten sechs Monaten (auch wenn es abgedroschen klingt:) mein Leben verändert hat. Read more

19/01/2014No Comments

Y(^__^)Y

IMG_20140302_172249 Der Winter hat Peking fest in der Hand. Es ist klirrend kalt und dennoch hat es bisher nicht geschneit. Seit nun mehr vier Monaten fiel nicht ein Tropfen oder eine Flocke vom Himmel, die Stadt ist trocken wie Dörrfleisch. Dennoch liegt der Gedanke nicht fern, ich bewegte mich auf dünnem Eis, wenn ich ein Thema anschneide, dem nachgesagt wird, es werde in China unterdrückt, kontrolliert und zensiert: Die Medien. Genauer gesagt, geht es um den Konsum der chinesischen Medien, wie ich ihn erlebe und wie Freunde und Bekannte ihn sehen. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die teilweise der gleichen Ansicht waren, darunter auch die Feststellung, sie hätten sich noch nie großartig Gedanken darüber gemacht. Ich habe einige Überraschungen erlebt, bin auf Hindernisse gestoßen und war oft verärgert, denn vor allem Ausländern wird es nicht leicht gemacht, aus unserer Sicht. Read more

03/12/2013No Comments

The Logo: bigger, BIGGER!

IMG_20131201_182245 Zweieinhalb Monate arbeite ich nun schon in Peking, Zeit also, darüber zu berichten. Als Gestalter tätig zu sein bedeutet ja im Allgemeinen eher viel Ärger; mit dem Chef, mit dem Kunden und mit sich selbst, mit der Deadline, mit dem Konzept und mit der Technik. Doch der Job hat auch gute Seiten, immerhin ist es der schönste Beruf der Welt.

Ich habe nicht wirklich das Gefühl ein Praktikum zu machen. Seit dem ersten Tag bei G2S Creative Workshop war ich fester Bestandteil des Teams von Grafikdesignern, das die kreativen Kampagnen der Art und Creative Director umsetzte. Dabei wurde nicht ein einziges Mal unterschieden zwischen den Festangestellten und den Praktikanten, zwischen denen die mehrere Jahre Berufserfahrung haben und denen die noch studieren. Das bedeutet einerseits viel Druck, andererseits motiviert es, nicht als der angesehen zu werden, der noch grün hinter den Ohren ist. Mir werden dieselben Projekte anvertraut, mit demselben Anspruch. Dabei konnte ich mir in den vergangenen Monaten einen guten Überblick verschaffen wie die Agentur arbeitet und wie ich mich darin einzugliedern habe. Ich habe bereits dutzende Aufträge abgefertigt, mit jeweils unterschiedlichem Aufgabenbereich. Meist ist es nur ein Teil, der von mir zum Ganzen beigesteuert wird, es kam aber auch schon vor, das große Ganze vollbringen zu sollen. Wer jetzt gehofft hat einige meiner Arbeiten sehen zu können, den muss ich leider enttäuschen. Warum ich sie nicht vorstelle hat verschiedene Gründe, zum einen aus rechtlichen Gründen, da ich mir dafür die Nutzungsrechte besorgen müsste, zum anderen und viel schwerwiegenderen aber, weil mir bisher noch keine meiner Arbeiten 1000%ig zusprach, um voll und ganz und stolz dahinter zu stehen. Deshalb begnüge ich vorerst mit einem Baby und einem Welpen; die funktionieren ja in der Werbung bekannter Maßen am besten. Warum ich solch Zwist mit mir selbst habe, versuche ich im Folgenden näher zu erläutern. Read more

08/11/2013No Comments

Der Code der Kunst

IMG_20131027_161834 Glaubte man Douglas Adams, könnte man meinen, auch im Bereich der Kunst lautete die Antwort auf die Frage nach dem Sinn: 42. Doch das trifft vielleicht auf Europa zu. Es überrascht nicht, dass in China andere Maßstäbe gelten. Hier lautet die Antwort: 798. Read more

13/10/2013No Comments

HYGIENE

IMG_20131027_161453 Nein, auch dieses Mal geht es nicht um den eigentlichen Grund meines Aufenthaltes, Gestaltung, sondern um jenes schwierige Thema, das man zu Hause in Deutschland groß schreibt: Hygiene. Hier ist das ein bisschen anders, hier schreibt man es: 卫生学. Ich möchte mich nicht beklagen; nach knapp einem Monat habe ich mich gut eingelebt und komme zurecht mit den hiesigen Gegebenheiten an Sauberkeit und Ordnung. An vieles gewöhnt man sich schnell, an manches eher nicht: Sie, eine attraktive Frau, Ende 20, erfolgreich, läuft rechts vor mir auf der Straße. Sie weiß sich zu kleiden, ihre ohnehin schon langen, grazilen Beine werden durch ihre hohen Absätze noch deutlicher in Szene gesetzt und bilden, aus einem teuren kurzen Mantel hervorscheinend, zusammen mit der in der Hand baumelnden Louis Vuitton Tasche, das Bild einer scheinbar vornehmen Pekingerin. Aus heiterem (eher vor Smog stehendem) Himmel zieht sie mit einem irre lauten Saugen allen Unrat aus ihren Schleimhäuten und rotzt ihn im Weiterlaufen nach links und mir vor die Füße. Read more

03/10/2013No Comments

Wie ich mir auf einem chinesischen Plagiats-Weingut die Kante gab

IMG_20131002_224415 Gute zweieinhalb Stunden mit dem Bus von Pekings Stadtzentrum entfernt (dann hat man Peking übrigens immer noch nicht verlassen), liegt in einer andeutungsweise hügeligen Landschaft eine Nachbildung eines französischen Weinguts, samt Reben, Weinkeller und Verkostungsangebot. Dieses ließ ich mir nicht entgehen und besuchte mit meinem Mitbewohner und einer Freundin besagten Schauplatz, um einige der dort "angebauten" Weine zu testen. Angekommen erinnerte der Eingangsbereich eher an einen Freizeitpark á la Disney; Besucherschlangenabsperrungen, Klassikmusikbeschallung im Freien und überall Liebe zum Styropordekordetail. Nach einigem Zurechtfinden, Eintrittskartenkaufen und Parkshopdurchstöbern, wurden wir in die Verkostungsräume geleitet, in denen wir sogleich zwei Weingläser in die Hand gedrückt bekamen (Hätten wir mehr Hände, hätten wir auch mehr Gläser bekommen). Diese ersten beiden Gläser waren Rotweine, der eine etwas lieblicher und süßer, der andere etwas bitterer und trockener. Für meinen Amateurweingaumen gar nicht mal so schlecht. Read more

22/09/20133 Comments

Achterbahnfahren

IMG_20140302_172350Ich kann nicht leugnen, dass das Gefühlschaos der ersten Woche in Peking vor allem von der Sehnsucht nach Hause geprägt war. Die ersten Tage allein in einer fremden Stadt mit fremden Menschen, einer fremden Sprache, fremdem Essen und so ziemlich Allem, was noch so fremd sein kann, waren durchaus hart. Sowohl körperlich anstrengend, gebeutelt vom Jet Lag, von vielem Laufen und Arbeiten, als auch psychisch belastend, erwies sich die Ankunft als so wild wie erwartet. Glücklicherweise hatte ich nur selten Zeit über alles nachzudenken, denn schon am Tag meiner Landung musste ich arbeiten. Zuvor jedoch stand ein Treffen mit einem Agenten einer Wohnungsvermietung an, der mich mit einer Kollegin freundlicherweise vom Bahnhof abholte, zu dem ich mit dem Aiport Express vom Flughafen gelangt war. Mit zwei Motorrollern, meinen zwei dicken Koffern und mir düsten wir kurzerhand durch die Straßen, die für die nächsten sechs Monate mein zu Hause sein sollen. Geplant war, dass ich bis der Agent eine geeignete Wohnung für mich hat, in einem Hostel übernachte, doch das war gar nicht nötig. Er brachte mich direkt zu einem Wohnhaus und in eine passende, schnuckelige Wohnung, dessen Zimmerausblick das gelbe Bild zeigt. Mein Mitbewohner ist ein Chinese aus Harbin, der einige Zeit in Kanada gelebt hat und deswegen ziemlich gut des Englischen mächtig ist. (Meine Chinesischkentnisse verstecken sich zur Zeit noch ehrfürchtig vor der Wucht der Fremde) So zog ich am ersten Tag schon in eine WG. Anschließend noch schnell zur Polizei, dort meine vorübergehende Wohnhaft melden und schon ZACK ins Büro. Read more

© 2017 Jendrik Drazetic

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